1.1   Definition: Volkswirtschaftslehre  
  1.2   Ziele wirtschaftlichen Handelns  
  1.3   Grundsätze wirtschaftlichen Handelns  
  1.4   Volkswirtschaftliche Produktionsfaktoren  
  1.5   Arbeitsteilung  

1.1 Definition: Volkswirtschaftslehre

  • Als Volkswirtschaftslehre bezeichnet man den Zweig der Wirtschaftswissenschaften, der sich mit der Erforschung wirtschaftlicher Erscheinungen, Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten befasst. Im Mittelpunkt der Volkswirtschaftslehre stehen die Mikroökonomie und die Makroökonomie.

    Die Mikroökonomie analysiert das wirtschaftliche Verhalten einzelner Konsumenten und Unternehmen sowie die Verteilung von knappen Gütern und Einkommen unter diesen. Die Makroökonomie analysiert dagegen gesamtwirtschaftliche (aggregierte) Größen, z.B. Volkseinkommen, Beschäftigung und Produktion.

  • Volkswirtschaftslehre wird auch als Nationalökonomie oder politische Ökonomie bezeichnet. Mikroökonomie wird auch als Mikroökonomik und Makroökonomie als Makroökonomik bezeichnet.
  • Teilgebiete der Wirtschaftswissenschaften
    Wirtschaftswissenschaften

1.2 Ziele wirtschaftlichen Handelns

  • Als Wirtschaften werden alle Tätigkeiten bezeichnet, die dazu dienen, die Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen.
  • Ein Bedürfnis ist das Empfinden eines Mangels bzw. ein unerfüllter Wunsch. Der Mensch hat unendlich viele Bedürfnisse, die er befriedigen will.
  • Güter dienen der Bedürfnisbefriedigung. Man unterscheidet dabei:
    • freie Güter (sie sind in ausreichender Menge vorhanden)
    • knappe Güter (es handelt sich um wirtschaftliche Güter, die verteilt werden müssen)
  • Da die meisten Güter knappe Güter sind, ist es das Ziel des Wirtschaftens, die knappen Güter den Bedürfnissen so gegenüberzustellen, dass möglichst viele von ihnen befriedigt werden.
  • Entsprechend wird Wirtschaft definiert wie folgt:
    Unter dem Begriff Wirtschaft versteht man alle Institutionen und Prozesse, die direkt oder indirekt der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dienen.

Bedürfnisse können nach Dringlichkeit und Realisierbarkeit unterteilt werden:

Einteilungskriterien Bedürfnisarten
Dringlichkeit
  • Existenzbedürfnisse (z.B. Nahrung)
  • Kulturbedürfnisse (auch: Grundbedürfnisse) (z.B. Bücher, Sport)
  • Luxusbedürfnisse (z.B. Schmuck)
Realisierbarkeit
  • Individualbedürfnisse (Kauf eines Computers)
  • Kollektivbedürfnisse (Bau/Renovierung einer Schule)

Güter können nach folgenden Kriterien unterteilt werden:

1.3 Grundsätze wirtschaftlichen Handelns

  • Transformationskurve (Produktionsmöglichkeitenkurve): Beim Wirtschaften kann man nicht alle Bedürfnisse befriedigen, sondern muss zwischen Alternativen wählen. Die Transformationskurve gibt alle möglichen Produktionskombinationen an. Den Konsumverzicht des einen Gutes zu Gunsten eines anderen bezeichnet man als Opportunitätskosten (opportunity costs).
  • Transformationskurve zweier Güter:
    Transformationskurve
  • Angesichts der knappen Ressourcen sind nur solche Entscheidungen wirtschaftlich vertretbar, bei denen der Mitteleinsatz und das Produktionsergebnis in einem optimalen Verhältnis zueinander stehen.
    1. Minimalprinzip: Ein bestimmtes Ziel soll mit einem Minimum an Aufwand erreicht werden.
    2. Maximalprinzip: Mit den gegebenen Mitteln soll ein Maximum an Nutzen erreicht werden.
  • Erfolgskennziffern ermöglichen es, den Erfolg wirtschaftlichen Handelns zu messen:
    1. Produktivität = (Produktionsergebnis)/(Faktoreinsatz)
    2. Wirtschaftlichkeit = (Leistung)/(Kosten)
    3. Rentabilität = (Gewinn*100)/Kapitaleinsatz
      • Eigenkapitalrentabilität = (Gewinn*100)/Eigenkapital
      • Gesamtkapitalrentabilität = (Gewinn+Zinsen)*100/(Eigenkapital+Fremdkapital)

1.4 Volkswirtschaftliche Produktionsfaktoren

  • Produktionsfaktoren sind Güter und Dienstleistungen, die zur Produktion eingesetzt und verwendet werden können.
  • Güter entstehen durch Kombination von Produktionsfaktoren.
  • In der Volkswirtschaftslehre unterscheidet man die (volkswirtschaftlichen) Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital:
Einteilungskriterien Güterarten Beispiele
Beschaffenheit
  • Sachgüter (materielle Güter)
  • Dienstleistungen (immaterielle Güter)
  • Brot, Straße, Heizöl, Schreibmaschine
  • Arbeit der Raumpflegerin, Arbeit der Architektin
Verwendungsort
  • Konsumgüter
  • Produktionsgüter
  • Ölheizung, Heizöl, Schreibmaschine, Arbeit der Raumpflegerin im Haushalt
  • Ölheizung, Heizöl, Schreibmaschine, Arbeit der Raumpflegerin im Unternehmen
Wiederholbarkeit der Nutzung
  • Gebrauchsgüter
  • Verbrauchsgüter
  • Straße, Ölheizung, Schreibmaschine
  • Brot, Heizöl
Bereitstellung
  • Individualgüter
  • Kollektivgüter
  • Auto, Nahrungsmittel
  • Schule, Krankenhaus
Gleichartigkeit der Nutzung
  • homogene Güter
  • heterogene Güter
  • Benzin verschiedener Hersteller
  • Diesel und Benzin
Verhältnis der Güter zueinander
  • komplementäre Güter
  • substitutive Güter
  • Straßen und Autos, DVD's und DVD-Player
  • Butter und Margarine, BMW und Volkswagen
Produktionsfaktoren
ursprüngliche (originäre) abgeleiteter (derivativer)
Boden Arbeit Kapital
  • Boden:
    Merkmale Arten
    gebundener Standort
    • Anbaufaktor (für reproduzierbare Güter)
    • Abbaufaktor (für nicht reproduzierbare Güter)
    freier Standort Standortfaktor (für Produktionsstätten)
  • Arbeit:
    Merkmale Arten
    Anforderung
    • geistig
    • körperlich
    Ausbildung
    • gelernt
    • angelernt
    • ungelernt
    Verantwortung
    • selbstständig/unselbstständig
    • leitend/ausführend
  • Kapital: Alle im Produktionsprozess eingesetzten Produktionsgüter, es entsteht durch Sparen und Investieren (Konsumverzicht).
    Investitionsarten
    Bruttoinvestitionen
    Anlageinvestitionen Lagerinvestitionen (Veränderung des Lagerbestandes)
    Ersatzinvestitionen Erweiterungsinvestitionen
      Nettoinvestitionen
  • 1.5 Arbeitsteilung

    • Auflösung von Arbeitsleistung in Teilverrichtungen, die von verschiedenen Berufen oder unterschiedlich spezialisierten Arbeitskräften übernommen werden.
    • Die Wirkung der Arbeitsteilung besteht darin, dass zur Erzeugung einer bestimmten Gütermenge Arbeitskräfte ökonomisch besser genutzt als auch eingespart werden.
    • Nachteile:
      1. Monotonie der Arbeit
      2. Entfremdung des Arbeitnehmers vom Ergebnis
      3. Verlust der wirtschaftlichen Unabhängigkeit
    • Formen der Arbeitsteilung:
      Arbeitsteilung
      Personale Arbeitsteilung Betriebliche Arbeitsteilung Territoriale Arbeitsteilung
      innerbetrieblich zwischenbetrieblich
      • Berufsbildung
      • Berufsspaltung
      • Arbeitszerlegung
      • Produktionsteilung
      • Funktionsteilung
        • Beschaffung
        • Lagerung
        • Produktion
        • Verwaltung
        • Absatz
      • vertikal
        • primärer Sektor
        • sekundärer Sektor
        • tertiärer Sektor
      • horizontal (nach Material- oder Branchenaspekt)
      • regional
      • international