2.1   Definition: Markoökonomie  
  2.2   Aggregation  
  2.3   Sektoren  
  2.4   Wirtschaftskreisläufe  
  2.4.1   Einfacher Wirtschaftskreislauf  
  2.4.2   Erweiterter Wirtschaftskreislauf  
  2.4.3   Vollständiger Wirtschaftskreislauf  
  2.5   Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung  
  2.5.1   Kontenübersicht  
  2.5.2   ex post Gleichheit von Investitionen und Sparen (I = S)  
  2.5.3   Volkswirtschaftliche Kennziffern  
  2.5.4   Methoden zur Ermittlung des Sozialprodukts und des Volkseinkommens  
  2.5.4.1   Entstehungsrechnung  
  2.5.4.2   Verteilungsrechnung  
  2.5.4.3   Verwendungsrechnung  
  2.5.5   Sozialprodukt als Ausdruck der gesamtwirtschaftlichen Situation  

2.1 Definition: Makroökonomie

  • Im Zentrum der makroökonomischen Theorie steht das Problem der Stabilisierung einer Volkswirtschaft. Die Theorie der makroökonomischen Stabilisierungspolitik befasst sich mit der Erklärung wichtiger wirtschaftspolitischer Größen und Zusammenhänge, z.B. der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktion, den Bestimmungsfaktoren der allgemeinen Beschäftigung sowie der außenwirtschaftlichen Beziehungen.
  • Innerhalb der Makroökonomie wird zwischen folgenden Teilen unterschieden:
    1. ex ante-Analyse hat die Hauptaufgabe wirtschaftspolitischer Entwicklungen und Zusammenhänge
    2. ex post-Analyse bezieht sich stets auf eine Periode, die in der Vergangenheit liegt. Ihre Aufgabe ist zunächst die empirische Messung und Beschreibung grundlegender Größen der Stabilisierungspolitik

2.2 Aggregation

Die makroökonomische ex post-Analyse arbeitet mit aggregierten Größen:

  • gleichartige Wirtschaftseinheiten werden zu Sektoren zusammengefasst
  • gleichartige Transaktionen zwischen den Wirtschaftseinheiten der Sektoren werden zusammengefasst

2.3 Sektoren

Sektoren sind die am Wirtschaftsprozess beteiligten aggregierten Wirtschaftseinheiten. Sie bestehen aus den drei Binnensektoren Haushalte, Unternehmen und Staat und dem vierten Sektor Ausland.

  1. Haushalte
    • private Haushalte, private Organisationen ohne Erwerbszweck, sonstige private Vereinigungen
    • stellen Faktorleistung zur Verfügung, beziehen Einkommen für Produktionsbeiträge, das sie einsparen oder für Konsumgüter ausgeben
  2. Unternehmen
    • inländische Unternehmen unabhängig von der Rechtsform oder Branche
    • produzieren und verkaufen Güter, erwerben hierzu Produktionsfaktoren von Haushalten und Vorleistungen von anderen Unternehmen
  3. Staat
    • Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden, ...) und Haushalte der Sozialversicherung
    • Der Staatsverbrauch umfasst neben den Konsumausgaben auch Transferausgaben, für die er keine direkte Gegenleistung erhält. Er bezieht jedoch auch Einkommen, ohne direkt Gegenleistung zu erbringen (Steuern).
    • Das Verhältnis aller Staatsausgaben zum Bruttosozialprodukt wird als Staatsquote bezeichnet.
  4. Ausland
    • alle ausländischen Wirtschaftseinheiten, die mit inländischen Sektoren Transaktionen vornehmen
    • alle Transaktionen mit dem Ausland werden zu Exporten und Importen zusammengefasst
    • die Nettonachfrage ergibt sich als Saldo (Differenz) von Exporten und Importen (Ex-Im)

2.4 Wirtschaftskreisläufe

  • Der Wirtschaftskreislauf ist ein vereinfachtes Modell einer Volkswirtschaft, in dem die wesentlichen Tauschvorgänge zwischen den Wirtschaftssubjekten dargestellt werden. Er ist somit eine bildhafte Darstellung der Transaktionen zwischen den Sektoren.
  • Für einen "geschlossenen" Wirtschaftskreislauf gilt, dass bei jedem Sektor die Wertsumme der Abströme der Wertsumme der Zuströme gleich sind.
  • Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden meist nur Geldströme dargestellt.
  • Als "geschlossene" Volkswirtschaft bezeichnet man eine Volkswirtschaft, die keine Beziehungen zum Ausland unterhält. Die Exporte und die Importe sind dann gleich Null.
  •  
    Übersicht verschiedener Stufen der Kreislaufdarstellung
    Stufe Bezeichnung Sektoren
    1. Einfacher Wirtschaftskreislauf (geschlossene Volkswirtschaft ohne staatliche Aktivität) Haushalte, Unternehmen
    2. Erweiterter Wirtschaftskreislauf (geschlossene Volkswirtschaft mit staatlicher Aktivität) Haushalte, Unternehmen, Staat
    3. Vollständiger Wirtschaftskreislauf (offene Volkswirtschaft mit staatlicher Aktivität) Haushalte, Unternehmen, Staat, Ausland

2.4.1 Einfacher Wirtschaftskreislauf

  • Kreislauf einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne staatliche Aktivität. Hier sind sowohl die Geld- als auch die Güterströme dargestellt, in Zukunft werden alle Güterströme weggelassen.
    Einfacher Wirtschaftskreislauf in einer stationären Volkswirtschaft
  • Voraussetzungen:
    1. Gesamtes Einkommen wird ausgegeben
    2. Keine zeitliche Verzögerung zwischen Produktion und Konsum
    3. Gewinne gehen in die Unternehmerhaushalte
    4. stationäre, geschlossene Wirtschaft ohne Staat
    5. Unternehmen stellen genausoviele Güter her wie auch verbraucht werden
  • C = Y = Ynu + Yu = Volkseinkommen (Faktoreinkommen)
  • Ibr = Ire = D
  • Inetto = S = 0
  • Konten eines einfachen Wirtschaftskreislaufs ohne Vermögensänderungskonto:
    Einkommenskonto Haushalte
    C Y
    Produktionskonto Unternehmen
    D I
    Y C
  • Abkürzungen: C = Konsum, Y = Volkseinkommen, Ynu = Einkommen der Nichtunternehmerhaushalte, Yu = Einkommen der Unternehmerhaushalte, Ibr = Bruttoinvestitionen, Ire = Re- oder Ersatzinvestitionen, D = Abschreibungen (von depreciation), Inetto = Nettoinvestitionen, S = Sparen
  • Geht man anders als zuvor nicht mehr von einer stationären, sondern von einer evolutorischen Volkswirtschaft aus, so gibt es auch Ersparnisse und Nettoinvestitionen, so dass nur noch ein Teil des gesamten Volkseinkommens für Konsum ausgegeben wird Einfacher Wirtschaftskreislauf in einer evolutorischen Volkswirtschaft
  • Konten eines einfachen Wirtschaftskreislaufs mit Vermögensänderungskonto:
    Einkommenskonto Haushalte
    C Y
    S  
    Produktionskonto Unternehmen
    D I
    Y C
    Vermögensänderungskonto
    I S
      D

2.4.2 Erweiterter Wirtschaftskreislauf

  • Kreislauf einer geschlossenen Volkswirtschaft mit staatlicher Aktivität.
  • Staat: Bund, Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände, gesetzliche Sozialversicherung
  • Einnahmen des Staates:
      • direkte Steuern (Lohn-, Einkommens-, Vermögenssteuer)
      • indirekte Steuern (Mehrwertsteuer, Verbrauchssteuern)
    1. Beiträge (Sozialversicherung)
    2. Gebühren (Verwaltungsgebühren, Strafgebühren)
  • Ausgaben des Staates:
    1. Realausgaben (Staat erhält Gegenleistung, z.B. Ausgaben für Straßenbau)
    2. Transferausgaben (Staat erhält keine Gegenleistung, z.B. Subventionen)

2.4.3 Vollständiger Wirtschaftskreislauf

  • Kreislauf einer offenen Wirtschaft mit staatlicher Aktivität.
  • Der Sektor "Ausland" symbolisiert alle Wirtschaftseinheiten außerhalb der eigenen Volkswirtschaft. Er wird als Auslandskonto geführt, auf dem zusammenfassend alle Transaktionen zwischen den Binnensektoren (Haushalte, Unternehmen, Staat) und der übrigen Welt festgehalten werden.
  • Die wichtigsten Transaktionen mit dem Ausland sind die Exporte (Ex) und die Importe (Im) von Gütern.
  • Der Saldo zwischen Export und Import (Ex-Im) ist der Außenbeitrag.
  • Darstellung des vollständigen Wirtschaftskreislaufs: Vollständiger Wirtschaftskreislauf

2.5 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

  • Nach dem System der doppelten Buchführung aufgebautes Rechenwerk zur umfassenden Darstellung der Entstehung, Verteilung und Verwendung des in einer Periode einer Volkswirtschaft zur Verfügung stehenden Einkommens und seines Güteräquivalents.
  • Erkenntnis: In einer entwickelten Volkswirtschaft bestehen, auf Grund der auf vielen Ebenen vollzogenen Arbeitsteilung, zahlreiche Beziehungen zwischen den verschiedenen Wirtschaftssubjekten. In ihrem Kern sind alle Transaktionen zwischen den Wirtschaftssubjekten Tauschvorgänge.
  • Aufgabe der VGR: Zahlenmäßige Erfassung der relevanten Transaktionen zwischen den Wirtschaftseinheiten.

2.5.1 Kontenübersicht

  • Jeder der drei Binnensektoren (Haushalte, Unternehmen und Staat) verfügt über die folgenden Aktivitätskonten:
    1. Produktionskonto: Das Produktionskonto summiert auf der Sollseite die Kosten der Produktion, auf der Habenseite die Verkaufswerte der Güterproduktion einer Zeitperiode.
    2. Einkommenskonto: Das Einkommenskonto zeigt die Verwendung der Einkommen auf der Sollseite und die Herkunft der erzielten Einkommen auf der Habenseite.
    3. Vermögensänderungskonto: Das Vermögensänderungskonto erfasst alle Vorgänge, durch die sich das volkswirtschaftliche Vermögen ändert. Auf der Sollseite zeigt das Konto die Mittelverwendung und auf der Habenseite die Mittelherkunft.
    Darüber hinaus werden für jede Art der Aktivitätskonten aggregierte, gesamtwirtschaftliche Aktivitätskonten geführt (gesamtwirtschaftliches Einkommenskonto, gesamtwirtschaftliches Produktionskonto, gesamtwirtschaftliches Vermögensänderungskonto).
  • Zur Übersichtlichkeit beschränkt man sich meist auf die folgenden fünf Konten:
    • Produktionskonto der Unternehmen
    • Einkommenskonto der Haushalte
    • Einkommenskonto des Staates
    • Konto "Ausland"
    • Gesamtwirtschaftliches Vermögensänderungskonto
  • Kontenübersicht in der VGR:
    Einkommenskonto Haushalte
    Chh Ynu
    Tdir Yu
    Shh Tr
    Einkommenskonto Staat
    Cst Tdir
    Sst Tind - Z
    Tr  
    Gesamtwirtschaftliches Produktionskonto
    D Ibr
    Ynu Chh
    Yu Cst
    Tind - Z Ex - Im
    Gesamtwirtschaftliches Vermögensänderungskonto
    Ibr D
    Ex - Im Shh
      Sst
    Ausland
    Ex Im
      Ex - Im
    Werden die Gewinne der Unternehmen nicht ausgeschüttet, so entstehen Ersparnisse der Unternehmer (Sun).

2.5.2 ex post Gleichheit von Investitionen und Sparen (I = S)

  • ex post gilt immer: Igeplant + Iungeplant = Sgeplant + Sungeplant
  • Gleichgewichtsbedingung: I = S
  • Die Gleichheit von Investitionen und Sparen ergibt sich nicht bei den im Vorhinein (ex ante) geplanten Größen, sondern im Nachhinein (ex post). D.h., am Ende einer Wirtschaftsperiode sind die realisierten Ersparnisse genauso hoch wie die realisierten Investitionen.
  • Anpassungsmöglichkeiten zum Gleichgewicht, es sind drei Ausgangssituationen zu unterscheiden:
    1. C + I = Y, so ist Angebot = Nachfrage, es herrscht bereits Gleichgewicht, keine Anpassung notwendig
    2. C + I < Y, so ist Angebot > Nachfrage, kein Gleichgewicht
      1. Preissenkung, Sungeplant wird negativ
      2. Lageraufbau, Iungeplant wird positiv
      3. kürzere Lieferfristen, Sungeplant wird negativ
    3. C + I > Y, so ist Angebot < Nachfrage, kein Gleichgewicht
      1. Preiserhöhung, Sungeplant wird positiv
      2. Lagerabbau, Iungeplant wird negativ
      3. längere Lieferfristen, Sungeplant wird positiv

2.5.3 Volkswirtschaftliche Kennziffern

  • Volkswirtschaftliche Kennziffern sind die Leistungsindikatoren einer Volkswirtschaft, sie werden benötigt, um:
    1. die Situation einer Volkswirtschaft möglichst kurz beschreiben zu können
    2. feststellen zu können, ob eine Volkswirtschaft gewachsen oder geschrumpft ist
    3. Vergleiche mit anderen Volkswirtschaften anstellen zu können
  • Für die Messung der Leistung einer Volkswirtschaft können zwei Zahlengrößen verwendet werden, beiden liegt ein eigenes Konzept zugrunde:
    1. Das Inlandskonzept bewertet alle, innerhalb einer bestimmten Periode, im Inland (von In- und Ausländern) produzierten Güter. Das Inlandsprodukt ist also ein Produktionsindikator.
    2. Das Inländerkonzept bewertet alle, innerhalb einer bestimmten Periode, von Inländern (im In- und Ausland) bezogenen Einkommen. Das Sozialprodukt (Inländerprodukt) ist also ein Einkommensindikator.
  • Sozialprodukt = Inlandsprodukt - Inlandseinkommen von Ausländern + Auslandseinkommen von Inländern
  • Bruttoproduktionswert = BPW = Vorleistungen + Bruttoinvestitionen + Privatverbrauch + Staatsverbrauch + Außenbeitrag
  • Bruttoinlandsprodukt = BIP = BPW - Vorleistungen
  • Der Unterschied zwischen Bruttoprodukten und Nettoprodukten besteht in den Abschreibungen.
  • Der Unterschied zwischen Produkten zu Marktpreisen und Produkten zu Faktorkosten besteht im Saldo zwischen indirekten Steuern und Subventionen (Tind-Z), da diese die Preise künstlich verteuern/verbilligen.
  • Der Unterschied zwischen nominalen und realen Produkten besteht in der Preissteigerung:
    BIPreal = BIPnominal * 100 / Preisindex
    BSPreal = BSPnominal - Preissteigerung
  • Nettoinlandsprodukt zu Faktorkosten (NIPf)
    = gesamtwirtschaftliche Nettowertschöpfung
    = Summe aller im Inland entstandenen Einkommen
  • Nettosozialprodukt zu Faktorkosten (NSPf)
    = Volkseinkommen
  • Verfügbares Einkommen ist das Einkommen, das einem Wirtschaftssektor für Konsum und Sparen zur Verfügung steht.

    verfügbares Einkommen der privaten Haushalte
    = Konsum der privaten Haushalte
    + Sparen der privaten Haushalte

  •   Volkswirtschaftliche Kennziffern

2.5.4 Methoden zur Ermittlung des Sozialprodukts und des Volkseinkommens

Das Volkseinkommen und das Sozialprodukt können auf drei Wegen ermittelt werden, nach ihrer Entstehung, Verteilung und Verwendung.

2.5.4.1 Entstehungsrechnung

Bruttoproduktionswert
- Vorleistungen
= Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen
- Inlandseinkommen von Ausländern
+ Auslandseinkommen von Inländern
= Bruttosozialprodukt zu Marktpreisen
- Abschreibungen
- (indirekte Steuern - Subventionen)
Nettosozialprodukt zu Faktorkosten = Volkseinkommen

2.5.4.2 Verteilungsrechnung

Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit
+ Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit
= Volkseinkommen
Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit
= Faktoreinkommen
+ (Transfereinkommen - Subventionen)
- direkten Steuern
= verfügbares Einkommen

2.5.4.3 Verwendungsrechnung

privater Verbrauch
+ staatlicher Verbrauch
+ Bruttoinvestitionen
+ (Exporte - Importe)
= Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen

2.5.5 Sozialprodukt als Ausdruck der gesamtwirtschaftlichen Situation

  • Das Sozialprodukt ist eine der wichtigsten Kennziffern. Zwar mag das Sozialprodukt über den Reichtum einer Volkswirtschaft etwas aussagen, gegen eine einfache Gleichsetzung bestehen jedoch erhebliche Bedenken.
  • Kritik am Sozialprodukt als Wohlstandsmesser:
    1. nicht erfasste Leistungen
      • Eigenleistungen in Haus, Haushalt und Garten
      • Nachbarschaftshilfe
      • Schwarzarbeit
    2. nicht erfasste Verluste (z.B. Abbau und Schädigung von Umweltgütern)
    3. zu Unrecht erfasste Leistungen (z.B. Leistungen zur Behebung von produktions- und nutzungsbedingten Schäden)
    4. "falsch" erfasste Leistungen (z.B. Leistungen werden Sektoren zugerechnet, in denen sie nicht erbracht wurden)