4.1   Definition: Konjunktur und Konjunkturtheorie  
  4.2   Arten der Wirtschaftsschwankungen  
  4.3   Konjunkturphasen  
  4.3.1   Aufschwung  
  4.3.2   Hochkonjunktur  
  4.3.3   Abschwung  
  4.3.4   Depression  
  4.4   Konjunkturforschung  
  4.5   Konjunkturindikatoren  

4.1 Definition: Konjunktur und Konjunkturtheorie

  • Als Konjunktur bezeichnet man zyklisch periodische Veränderungen gesamtwirtschaftlicher Größen, die den langfristigen Trend der wirtschaftlichen Entwicklung überlagern.
  • Die Konjunkturtheorie hat die Aufgabe, diese Konjunkturen zu erklären.
  • Als Maßstab für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft wird das reale BIP verwendet.

4.2 Arten der Wirtschaftsschwankungen

Nach der Länge der Zyklen lassen sich folgende Arten von Wirtschaftsschwankungen unterscheiden:

  • Saisonale Schwankungen sind kurzfristiger Natur (ca. drei Monate). Sie sind vorher einplanbar und werden durch sich ändernde Wetterbedingungen in den Jahreszeiten verursacht.
  • Konjunkturelle Schwankungen sind mittelfristiger Natur (ca. vier Jahre). Sie sind am schwierigsten in den Griff zu kriegen und bilden die Hauptaufgabe der Wirtschaftspolitik. Zu Konjunkturschwankungen kommt es durch Ungleichgewichte zwischen gesamtwirtschaftlicher Nachfrage und gesamtwirtschaftlichem Angebot. Die Schwankungen kommen zustande oder werden verstärkt indem zeitliche Anpassungsverzögerungen auftreten.
  • Strukturelle Schwankungen (Kondratjew-Zyklus) sind langfristiger Natur (ca. 50-60 Jahre) und werden durch tiefe Wandlung in der Wirtschaft durch technischen Fortschritt hervorgerufen, sie haben große Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. (Z.B. Erfindung der Eisenbahn und der Computertechnologie.)

4.3 Konjunkturphasen

(idealisierter) Konjunkturverlauf

Es sind vier Konjunkturphasen zu unterscheiden. Der Aufschwung (vom Tiefpunkt zum Wendepunkt), der nach dem Durchgang durch den Wendepunkt in den Boom übergeht. Nach dem Umkippen der Wirtschaftsentwicklung, also nach dem Hochpunkt, setzt der Abschwung ein und geht nach dem Wendepunkt in die Depression über. Nach dem unteren Scheitelpunkt (Tiefpunkt) fängt ein neuer Aufschwung an.

Anzumerken ist, dass dies ein idealisierter Konjunkturverlauf ist. In der Realität lässt sich meistens nicht sagen, an welchem Punkt sich eine Volkswirtschaft befindet. Deswegen sind vor allem die Übergänge zwischen den Phasen besonders kritisch zu sehen.

Zum Umschwung (von Depression zum Aufschwung) kommt es durch:

  • niedrigere Zinsen (die mehr Investitionen und Konsum ermöglichen)
  • Re- oder Ersatzinvestitionen (die irgendwann getätigt werden müssen)
  • Abbau des Angebots wird übertrieben, das Angebot wird dadurch kleiner als das Angebot, so dass wieder Erweiterungsinvestitionen getätigt werden

4.3.1 Aufschwung

Nachfrage gleicht sich dem sinkenden Angebot langsam an, Unternehmen führen jetzt wieder Reinvestitionen durch (vorher zurückgehalten) um das Angebot aufrecht erhalten zu können. Beschäftigung, Einkommen, Steueraufkommen und Geldmenge steigen und schaffen zusätzliche Nachfrage. Zukunftserwartungen der Haushalte und der Unternehmer werden positiv. Gewinnerwartungen - die bisher negativ waren - steigen. Umsätze und Gewinne steigen. Die noch immer sehr niedrigen Zinsen begünstigen Erweiterungsinvestitionen. Dadurch steigen wiederum die Wirtschaftsgrößen, zunächst nur langsam, da die Kapazitäten noch nicht voll ausgelastet sind. Wachstum ist sehr hoch bis die Kapazitäten voll ausgelastet sind. Bei Auslastung der Kapazitäten steigt das Preisniveau langsam an.

Synonyme für Aufschwung: Expansion

4.3.2 Hochkonjunktur

Engpässe entstehen, hoher Beschäftigungsgrad, Arbeitskräfte werden knapp, Löhne steigen und damit auch die Produktionskosten, Produktionsfaktoren werden knapp. Steigerung der Produktion nur noch über höhere Produktivität möglich, höhere Kosten werden durch höhere Preise kompensiert, Preisniveau steigt, Geldwert sinkt, langsam sinkt die Nachfrage.

Synonyme für Hochkonjunktur: Boom, Hausse

4.3.3 Abschwung

Angebot übersteigt die Nachfrage, Auftragsrückgänge, Zukunfts- und Gewinnerwartungen werden negativ. Es werden keine Erweiterungsinvestitionen mehr durchgeführt, Nachfrage nach Investitionsgütern sinkt, Löhne sinken, Zeitarbeit steigt, die Beschäftigung fängt langsam an zu sinken. Sinkende Gewinne können durch sinkende Stückkosten aufgefangen werden. Einkommen, Steueraufkommen und Geldmenge sinken. Gefahr einer Deflation wird größer, daraufhin sinken Investitionen und Beschäftigung. Also sind die gesamte Nachfrage und damit die Zukunftserwartungen und die Gewinne, Investitionen gehen noch weiter zurück.

Synonyme für Abschwung: Rezession

4.3.4 Depression

Steigende Arbeitslosigkeit, Löhne sinken, Einkommen der Haushalte sinken, Gewinnerwartungen sind negativ. Produktion nimmt weiter ab, es kommt zu mehr Insolvenzen, Produktionskosten sinken weiter. Es werden nicht einmal mehr Reinvestitionen getätigt. Sinkende Preise führen zu leicht steigendem Konsum und die sinkenden Zinsen bewirken leicht anziehende Investitionen. Zukunftserwartungen werden wieder optimistischer, Auftragseingänge ziehen langsam an.

Synonyme für Depression: Baisse, Tiefstand

4.4 Konjunkturforschung

  • Um den Ist-Zustand einer Volkswirtschaft zu untersuchen, wird mit Hilfe von Konjunkturindikatoren eine Konjunkturdiagnose erstellt.
  • Die Konjunkturprognose soll dagegen zukünftige Konjunkturentwicklungen vorhersagen und somit die Grundlage für die Konjunkturpolitik bilden.

4.5 Konjunkturindikatoren

Konjunkturindikatoren sind Größen, die auf den Zustand einer Volkswirtschaft schließen lassen. Aus den Veränderungen im zeitlichen Verlauf lässt sich erkennen, an welchem Punkt sich die Konjunktur befindet und in welche Richtung sich die Volkswirtschaft ungefähr entwickeln wird.

  • Frühindikatoren: Auftragseingänge, Investitionen, Zukunftserwartungen der Unternehmer und der Analysten, Lagerbestände, Einzelhandelsumsätze
  • Präsensindikatoren: reales BIP, Kapazitzätsauslastungen und Produktivität
  • Spätindikatoren: Arbeitsmarktzahlen, Preisentwicklung